Last Updated on 16. Februar 2026 by Dein Coach
Warum Neujahr nichts von uns will
Neujahr. Schon wieder. 2026.
Es ist früh. Alle liegen noch in ihren Betten. Ich sitze auf meinem Sofa, trinke Kaffee und meditiere. Und ich merke: Ich habe Neujahrsblues. Schon wieder.
Was willst du von 2026?
Wie jedes Jahr taucht die große Frage auf:
Was will ich wirklich, wirklich?
Und die ehrliche Antwort ist: Ich weiß es nicht.
Vielleicht ist das schon der erste Stolperstein. Denn diese Frage setzt voraus, dass es so etwas wie ein „wahres Wollen“ gibt, einen „Sinn“ – etwas, das man finden muss, um dann mit Klarheit und Zielstrebigkeit ins neue Jahr zu starten. Damit sich das Leben „lohnt“. Aber vielleicht ist das gar nicht so. Vielleicht ist das die falsche Frage. Vielleicht wäre es ehrlicher zu fragen: Was bin ich bereit, heute nicht zu verdrängen? Oder: Was geschieht, wenn ich aufhöre, aus diesem Moment sofort etwas machen zu wollen? Kein dauerhafter Optimierungswahn?
Neujahrsblues statt guter Vorsätze
In diesem Licht erscheint mir der Neujahrsblues weniger als Defekt, sondern eher als der erste ehrliche Moment des Jahres. Ein Moment, in dem die üblichen Geschichten kurz nicht greifen: Vorsätze, Pläne, Aufbruchsrhetorik. Klar, ich habe die Rauhnächte beachtet, Träume aufgeschrieben, 13 Wünsche formuliert. Was gar nicht so einfach war – weil ich gemerkt habe, dass ich eigentlich keine Wünsche habe. Am Ende waren es eher 13 Dinge, die ich im neuen Jahr weniger tun möchte.
An Silvester habe ich gesagt: Vielleicht machen die Leute deshalb so viel Lärm und trinken so viel, weil sie Angst haben. Angst vor dem neuen Jahr. Angst davor, nicht zu wissen, was kommt. Und vielleicht auch, weil der Tod näher rückt.
Neujahr ist einerseits ein Tag wie jeder andere. Und doch ist er emotional aufgeladen. Für mich fühlt er sich oft an wie ein leeres, weißes Blatt. Oder wie ein leeres Buch. Diese Leere zeigt mir zwei Illusionen auf:
Ich müsste wissen, was ich will.
Ein Jahr braucht unbedingt eine Geschichte.
Beides scheint mir eher kulturelle Konditionierung zu sein. Und trotzdem frage ich mich: Wie will ich dieses Buch füllen? Manchmal wirkt das, was wir Menschen treiben, plötzlich erstaunlich sinnlos. Ein bisschen wie Rumgehampel. Albert Camus schreibt,…
… wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.
Nicht, weil der Stein irgendwann oben bleibt. Sondern weil Sisyphos aufhört, etwas anderes sein zu wollen als das, was er gerade tut. Er ist konzentriert, ganz im Moment. Er will nichts und braucht nichts. Vielleicht ist das Leben nur deshalb auszuhalten, weil wir uns so oft ablenken: mit Böllern, Alkohol, Vorsätzen, Katzenvideos und Essensfotos. Nicht aus Freude, sondern um diese Leere nicht fühlen zu müssen.
Ich werde dieses Jahr 56. Rein statistisch habe ich damit die Mitte längst überschritten. Das ist ernüchternd und macht mir gelegentlich Angst. Die Angst, etwas zu verpassen. Dieses panische
„Ich muss doch noch …“
Vor zwei Jahren habe ich meinen Vater beerdigt, letztes Jahr einen ehemaligen Klassenkameraden. Die Frage nach dem „großen Ziel“ fühlt sich vor diesem Hintergrund seltsam hohl an.
Ehrlich gesagt wünsche ich mir gerade vor allem Ruhe. Frieden. Zeit. Zeit zum Genießen, für Beziehungen, Zeit einfach zu sein. Nichts mehr müssen. Auch nichts mehr werden müssen. Und wenn dann doch diese leise ‚Ich müsste doch noch …‘ auftaucht, hilft mir manchmal ein ganz schlichter Gedanke:
Ich muss das jetzt nicht wissen.
Vielleicht beginnt dieses Jahr für mich genau dort: nicht mit einem Plan, sondern mit der Erlaubnis, planfrei zu starten. Den Neujahrsblues nicht sofort wegzumachen, nicht zu erklären, nicht zu optimieren. Sondern zu bleiben. Auch wenn es leer ist.
Planfrei statt Planlos
In diesem Sinne: ein planfreies neues Jahr mit Ruhe, Frieden und Zeit.
Beitragsbild: Image by Vilius Kukanauskas from Pixabay

