Last Updated on 8. April 2026 by Dein Coach
Ostern ist vorbei. Gott sei Dank.
Ostern bedeutet nicht nur zwei zusätzliche freie Tage, sondern auch eine Menge Stress. Die Kinder und meine Schwester sitzen im Zug, Mama ist wieder zu Hause. Beim Autofahren bemerke ich, dass ich immer wieder kräftig ausatme, einfach nur, um die Last dieser Tage loszuwerden. Und ich merke: Ich bin nicht erfüllt – ich bin einfach nur leer.
Ich setze mich vorm Haus in den Garten und füttere meine Hühner. Endlich Zeit für mich.
Eigentlich wollte ich am Ostersamstag zum Osterfeuer und zum Osterschießen gehen – Gemeinschaft. Eigentlich wollte ich am Ostersonntag früh zwischen fünf und sechs wie Faust meinen Osterspaziergang machen, während die Kirchenglocken läuten. Eigentlich hatte ich überlegt, zum Ostertanz zu gehen. Nichts davon. Ich bin einfach nur erschöpft und brauche immer wieder Powernaps, nur um den Tag zu überstehen.
Gründonnerstag – verpflegungstechnische Planung des Osterwochenendes. Keine kulinarischen Meisterwerke, keine Geschenkeberge, sondern schlicht vier Tage lang alle versorgen, die da sind. Als alle Einkäufe erledigt sind, überschlage ich kurz: 250 Euro. Danach vier Tage immer wieder organisieren, kochen, aufräumen, Programm.
Über Ostern nachdenken, meditieren, zur Ruhe kommen – dafür war keine Zeit. Und doch bleibt die Frage:
Was bedeutet Ostern für mich eigentlich?
Die Geschichte von Jesus erzählt von einem Menschen auf dem Höhepunkt seines Wirkens – der gleichzeitig weiß: Das ist das Ende. Er feiert noch einmal mit den Menschen, die ihm am Herzen liegen, und zieht sich dann zurück, um sich innerlich vorzubereiten.
Er ringt – mit sich, mit seiner Angst, mit seinem Ego. Vielleicht mit Gott, vielleicht auch mit allem, was wir „Dämonen“ nennen würden. Er will nicht sterben. Und trotzdem entscheidet er sich. Er hätte gehen können, er hätte kämpfen können, er hätte sich verteidigen lassen können. Er tut es nicht.
Es wirkt wie Aufgeben – und ist etwas anderes: ein bewusstes Sich-Hingeben. Ein Aufhören, gegen das zu kämpfen, was ist. Selbst sein Richter Pilatus ist überrascht: „Seht, welch ein Mensch.“ Vielleicht liegt genau darin eines der großen Geheimnisse von Ostern.
Rechtfertigung ist der fruchtlose Versuch der Selbsterlösung.
‚Jesus ist für mich gestorben‘ – solche Sätze habe ich tausendmal gehört. Doch was bedeutet Ostern für mich nun konkret? In meinem Leben geht ständig etwas schief. Dann ist Rechtfertigung oft der hilflose Versuch, mich selbst irgendwie zu retten. Ich erkläre, ich rede mich raus, ich versuche, es passend zu machen – und bleibe genau dort stecken. Wenn ich dagegen ehrlich sagen kann: „Es tut mir leid“, passiert etwas anderes. Nicht als Kapitulation. Als Entscheidung. Ich höre auf, mich zu verteidigen. Ich erkenne meinen Anteil, und übernehme Verantwortung. Ich komme in Kontakt mit dem, was wirklich ist. Ich kenne das auch aus Gesprächen, in denen es nur noch ums Gewinnen geht.
Mit dem Satz: „Es tut mir leid“ trete ich bewusst in Kontakt mit der Realität dessen, was ich verursacht habe. Er wird damit zur Sprache der Auferstehung.
Vielleicht wird Ostern genau da greifbar – nicht als religiöse Idee, sondern als Möglichkeit. Der Satz vom Ostermorgen „Er ist auferstanden“ wird zur Einladung, selbst aufzustehen. Nicht perfekt. Aber ehrlich. Nicht ohne Fehler. Aber ohne Verstecken.
Es ist 19:22 Uhr. Der Spüler ist eingeräumt, der Müll ist weggebracht, die Küche ist sauber. Und ich habe meinen Ostertext geschrieben. Vielleicht ist das heute genug.
Es ist Ostern. Gott sei Dank.
Wo hältst du dich noch fest in Schuld, Scham oder alten Geschichten – und was hält dich eigentlich noch davon ab, heute aufzustehen?
Wenn Christus der Archetyp des erlösten Bewusstseins ist,
wird Erlösung nicht nur zum Stellvertretungsakt,
sondern zur Einladung in deine eigene innere Transformation.
Beitragsbild: Image by Katja Fissel from Pixabay

