Last Updated on 16. Februar 2026 by Dein Coach
Wer glaubt, Texte ließen sich sauber in „echt“ und „unecht“ trennen, hat nie ernsthaft geschrieben.
Wenn du glaubst, ein Text verliere seinen Wert, sobald KI an seiner Entstehung beteiligt war, dann geht es dir nicht um Autorschaft, sondern um Kontrolle. Schreiben war nie „rein“. Es war immer ein Prozess aus Werkzeugen, Reibung, Fremdeinflüssen und Verantwortung. KI macht das nur sichtbarer. Schreiben war immer auch Kopieren* – im guten Sinne –, Zitieren, Hommage, Anspielung, Parodie. Und genau diese Einsicht irritiert heute mehr als die Technik selbst.
Autorschaft ist keine Technikfrage. Sie ist eine Haltung.
KI and me
Ich veröffentliche auf meinem Blog sehr unterschiedliche Texte: praktische How-to-Artikel, Arbeitsanleitungen, Problemlösungen für den Alltag – aber auch Essays über Dinge, die mich persönlich bewegen. Was viele dieser Texte verbindet, ist kein festgelegter Plan, sondern ein Prozess.
*) Ja, das berührt einen anderen existenziellen Themenkomplex: Fragen von Urheberrecht, der Weiterverarbeitung fremder Werke und die berechtigte Kritik daran, dass beim Training von KI-Systemen oft ungefragt urheberrechtlich geschützte Werke (Texte, Musik, Bilder) genutzt wurden. Das wirft die Frage auf, wie wir künftig mit Copyright umgehen wollen – und welche Formen von Wertschätzung für Autorinnen und Autoren tatsächlich tragen. Ideelle Anerkennung mag gut gemeint sein, doch auch Künstler:innen müssen Miete, Strom und Essen bezahlen.
Am Anfang war das Chaos
Oft beginne ich eine Interaktion mit KI nicht mit einer klaren These, sondern mit etwas Diffusem: Unzufriedenheit, Wut, Ohnmacht, einer vagen Idee oder einem inneren Knoten. Am Anfang steht häufig nicht fest, was daraus werden soll. Erst im Dialog entsteht nach und nach Klarheit. Gedanken ordnen sich, Muster werden sichtbar, Widersprüche schärfen sich. Manchmal dauert das Minuten, manchmal kippt es in einen mehrstündigen Hyperfokus – und am Ende steht plötzlich ein Essay, ein Manifest oder ein Text, den es vorher so nicht gab.
Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
1. Mose 1, 2
In Genesis 1,2 heißt es im hebräischen Urtext tohu wa-bohu – ein Ausdruck für ungeordnete, formlose Wirklichkeit. Nicht „Nichts“, sondern Chaos vor der Ordnung. Die Schöpfung beginnt nicht mit Klarheit, sondern mit Unordnung, aus der erst durch Unterscheidung Struktur entsteht.
Und gerade durch das Aufschreiben wird es für mich "Licht" in dem was formlos präsent in meinem ADHS-Kopf-Chaos herumwabert😅. KI hilft mir beim Schaffen dieser Strukturen.
Für mich ist KI kein Ersatz für Denken. Sie ist Resonanzraum, Spiegel und Sparringspartner. Ein Werkzeug auf Augenhöhe, das mir hilft, das freizulegen, was ohnehin schon in mir angelegt ist. In diesem Sinne arbeitet KI für mich wie ein guter Coach: Sie liefert keine Wahrheiten, sondern stellt Fragen, hält Reibung aus, widerspricht, erkennt Muster und zwingt zur Präzisierung. Besonders wichtig ist mir dabei der Advocatus-Diaboli-Modus: Empathie ja, Klarheit unbedingt – aber kein Philosophenhonig.
Wer KI-Nutzung mit Faulheit verwechselt, unterschätzt, wie anstrengend präzises Denken ist.
Die Verantwortung für jeden veröffentlichten Text liegt zu 100 % bei mir. Inhalt, Haltung, Zuspitzung und Veröffentlichung sind meine Entscheidung. KI ist beteiligt am Entstehungsprozess – nicht an der Autorschaft. Ein Text wird nicht automatisch schlecht, generisch oder „unecht“, nur weil KI an seiner Entstehung beteiligt war.
Gute Texte entstehen nicht durch Werkzeuge, sondern durch gute Fragen, klare Haltung und die Bereitschaft, diese sich selbst zuzumuten.
Ich verstehe KI nicht als magische Abkürzung und nicht als Wikipedia-Ersatz, sondern als potenziertes Denkwerkzeug – Weltwissen in der Hosentasche, ja, aber nur so gut wie der Mensch, der es nutzt. Klassische Recherche, eigenes Ringen um Worte, langsames Lesen und Verstehen behalten ihren Wert. Dieser Text ist kein Ersatz dafür. Er ist eine Ergänzung. Keine Rechtfertigung – sondern eine Klarstellung.
Wo und wie ich KI nutze – und wo bewusst nicht
Ich nutze ChatGPT inzwischen seit ziemlich genau drei Jahren, seit dem Frühjahr 2023. Am Anfang war da viel Neugier, Spieltrieb, Ausprobieren. Ich habe getestet, was möglich ist, habe Texte entstehen lassen, die Spaß gemacht haben, und auch für Dinge, die ich wider verworfen habe.
Alltagskram
Ganz pragmatisch nutze ich KI zur Arbeitserleichterung: für Gesprächsnotizen, private Schreiben an amtliche stellen (und Auswertung der unverständlichen Antworten) – also die Flut der intitutionellen Anforderungen an einen normalen Menschen mit Haus und Kindern. Für E-Mails, schnelle Zusammenfassungen oder zur Strukturierung von Material – etwa im Rahmen meiner Ahnenforschung. Dort hilft sie mir bei Recherchen, beim Einordnen großer Dokumentenmengen, bei der Analyse und Zusammenfassung langer Texte oder auch bei der vorsichtigen Alterseinschätzung historischer Fotos, um überhaupt erste Hypothesen bilden zu können.
Spiegel
Ich nutze KI außerdem, um mich gedanklich zu sortieren – gerade in Situationen, in denen meine ehrliche Antwort zunächst lautet: „Keine Ahnung!“ . Der Dialog hilft mir, implizite Gedanken sichtbar zu machen. Ebenso setze ich sie zur gezielten Gesprächsvorbereitung ein: als Sparringspartner für schwierige Gespräche, zur Reflexion von Argumentationslinien oder zum Training von Gesprächsführung.
In emotional oder sozial anspruchsvollen Situationen nutze ich KI als Prüfinstanz, um meinen eigenen Gedankengang mit den Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation abzugleichen. Nicht, um Verantwortung abzugeben, sondern um blinde Flecken zu erkennen.
(–> siehe unter Weiterführende Links: KI und das Spiegel-Paradoxon)
Notizen und kognitves Off-Loading
Ein weiterer Aspekt, der für mich zentral ist, betrifft den Umgang mit meinem ADHS-Gehirn. Gerade in Phasen, in denen – bildlich gesprochen – im Garten sehr viel gleichzeitig wächst, wuchert und blüht, entstehen viele gute Gedanken parallel. KI nutze ich dann als eine Art schnellen, interaktiven Gedanken- und Notizspeicher. Ich kann Ideen unmittelbar festhalten, weiterdenken oder parken und später gezielt wieder darauf zurückgreifen, ohne dass sie verloren gehen oder mich dauerhaft mental beschäftigen müssen (kognitives und damit auch mentales Off-Loading/Auslagern).
24/7 Coach- und Therapeut
Darüber hinaus setze ich KI bewusst im Coaching-Modus und in einem therapeutisch angelehnten Reflexionsansatz ein – nicht als Ersatz für echte therapeutische Arbeit, sondern als strukturierte Gesprächsfläche: zum Sortieren von Gedanken, zum Perspektivwechsel, zum Vorbereiten schwieriger Gespräche und zum Durchspielen innerer Dialoge. Gerade diese dialogische, nicht wertende Verfügbarkeit erlebe ich als enorme Entlastung im Alltag.
Herz-Texte
Gerade bei Texten, die mir persönlich wichtig sind – etwa zu Weihnachten, Ostern, zum Frauentag oder anderen stillen Anlässen – gehe ich ganz bewusst back to the roots. Dann sitze ich mit meinem Kaffee im dunklen Wohnzimmer, in Meditationshaltung auf dem Sofa und diktiere den Text in die Notiz-App meines Handys. Am Stück. Roh. Ohne Korrektur. Ohne Publikum. Es gibt einen Startimpuls. Der Text selbst entseht erst im Monment des Sprechens.
Nur danach kommt KI ins Spiel. Zum Korrektur. Ich bitte sie dann ausdrücklich um nichts anderes als Rechtschreibung, Grammatik, Groß- und Kleinschreibung, Interpunktion – eins zu eins. Im nächsten Schritt bitte ich um eine ehrliche Rückmeldung im Advocatus-Diaboli-Modus: Wo ist etwas unscharf? Wo weich? Wo rede ich mich vielleicht um den heißen Brei herum? In diesen Fällen verzichte ich entweder auf einen Transparenzhinweis am Textende oder bennene klar den rein lektorierenden Charkter des Einsatzes.
Persönliche Nachrichten und Glückwünsche
Was ich bewusst nicht tue: Ich nutze KI nicht für persönliche Nachrichten, die Nähe, Beziehung oder Intimität betreffen. Dort gehört Sprache für mich unmittelbar zwischen die beteiligten Menschen – ungefiltert, unoptimiert und mit allen Ecken und Kanten.
Viele verteidigen nicht das Schreiben, sondern ihre Gewohnheiten.
Früher hieß es: shit in, shit out.
Heute gilt für mich: Ein guter Text entsteht immer und ausschließlich durch die Verantwortung des Autors. Entscheidend ist nicht das Werkzeug, …
… sondern die Qualität der Frage.
Stellungnahme
Schreiben war noch nie ein romantischer Akt eines isolierten Genies. Gute Texte entstehen durch Reibung: durch Recherche, durch Verwerfen, durch Lektorat, durch Wiederholung, durch Zweifel. Niemand käme auf die Idee, einem Autor die Autorschaft abzusprechen, weil er Archive nutzt, Bibliotheken, Suchmaschinen oder Korrekturleser. Und doch passiert genau das, sobald KI ins Spiel kommt.

Technik ist nicht das Problem
Diese Debatte ist nicht neu. Sie ist nur technisch aktualisiert.
Tontafel, Pergament, Buchdruck, Schreibmaschine, Computer, Internet, Wikipedia, Google – jedes neue Werkzeug wurde begleitet von der Fantasie, man könne damit „echtes“ Denken korrumpieren und zur Unschuld zurückkehren. Das ist intellektuell unredlich. Die Büchse der Pandora lässt sich nicht schließen. Verantwortung beginnt nach der Erfindung, nicht davor.
Die Technik ist da – der Weg zurück ist Illusion. Was bleibt, ist der Weg nach vorn: mit klaren Regeln, bewussten Begrenzungen und nachvollziehbaren Leitlinien. Man könnte es Asimov 2.0 nennen: weniger Science-Fiction, mehr kultureller Ordnungsrahmen für ein Werkzeug, das längst Realität ist.

Der Prozess ist nicht das Problem
Ich nutze KI nicht, um Denken zu ersetzen, sondern weil mein Denken oft ungeordnet beginnt. Häufig weiß ich am Anfang nicht, wo die Reise – im wahrtsen Sinne des Wortes – hingweht. Der Dialog dient mir nicht als Abkürzung, sondern als Klärungsraum. Es schärft meine Gedanken, indem es blinde Flecken sichtbar macht und mich vor Fehlinterpretationen schützt – gerade dort, wo Gedanken noch zu kurz, unsauber oder unvollständig formuliert sind.
Die moralische Empörung über KI ersetzt gerade das, was sie angeblich verteidigt: eigenes Denken.
Schreiben war für mich immer zuerst ein Weg zur Selbstbewusstwerdung: herauszufinden, wer ich bin, was ich denke, was ich will und wo ich stehe. Es hilft mir bei der Standortbestimmung und dabei, zu verstehen, was für ein Mensch ich bin – manchmal so klar, dass ich dabei weine.
Viele Texte, die am Ende ruhig wirken, entstehen aus innerem Chaos. Und ja: Viele meiner letzten Texte wären ohne diesen Prozess nie entstanden. Viele Gedanken hätte ich nie zu Ende gedacht.
Selbst-bewusst-werdung durch Schreiben
Ja, das war schon früher so, dass ich oft erst wusste, was ich denke, wenn ich es aufgeschrieben, liegen gelassen und wieder neu geschärft habe – wie einen guten Brotteig. Manche Texte haben Monate gebraucht, einzelne Briefe ein halbes Jahr, damals noch ohne KI. Ohne ein Gegenüber – Mensch oder Werkzeug – laufe ich im Kreis; echte Reibung suche ich bewusst bei Menschen die mir nahestehen – auch wenn dies herausfordert. Klarheit ist für mich kein Anfang, sondern ein Ergebnis auf Zeit. Denn jede Antwort bringt neue Fragen hervor.
- Ich entscheide, welche Fragen gestellt werden.
- Ich entscheide, was verworfen wird.
- Ich entscheide, was veröffentlicht wird.
Wer mir sagt: „Das ist doch nicht wirklich von dir“, verkennt, dass Autorschaft kein Produktionsschritt ist, sondern eine Haltung. KI schreibt keine Texte. Sie hält mir mein Denken hin – manchmal klarer, manchmal schonungsloser, als mir lieb ist.
Ich kann ein Produkt mit dem Faustkeil herstellen oder mit einer computergesteuerten CNC-Fräse. Das Ergebnis wird nicht durch das Werkzeug moralisch besser oder schlechter. Wer heute KI-Texte verteufelt, steht gedanklich oft dort, wo einst Maschinenstürmer standen – bei der Eisenbahn, die angeblich „den Verstand zerstört“, weil sie schneller war als das Pferd.
Wer Autorschaft an Werkzeugen festmacht, hat sie nie verstanden.
Der eigentliche Skandal ist nicht KI.
Der eigentliche Skandal ist die Vorstellung, man könne ohne Reibung zu Klarheit gelangen.
Die Texte, die dabei entstehen, sind oft Nebenprodukte. Spuren eines Denkprozesses. Ich teile sie, weil es schade wäre, sie im Stillen verrotten zu lassen – und weil vielleicht jemand anderes darin etwas findet, das ihn weiterbringt.
Wer glaubt, Schreiben mit KI sei Betrug, hat nicht verstanden,
dass neue Zeiten neue Werkzeuge hervorbringen –
und dass Verantwortung nicht im Werkzeug liegt, sondern im Menschen, der es benutzt.
Wer mag – ein Text aus Co-Kreation mit KI
Diese Weinachtsgeschichte begann nicht am Schreibtisch, sondern nach der Christmette. Zwischen vertrauten Liedern, ritualisierten Bildern und dem Gefühl, dass diese Erzählung uns längst nicht mehr wirklich erreicht, entstand der Wunsch, die Weihnachtsgeschichte neu zu betrachten. Nicht als wohlige Kulisse, sondern als das, was sie ursprünglich war: eine unbequeme, politische und zutiefst menschliche Erzählung. Aus diesem Impuls heraus nahm dieser Text seinen Anfang.
Er ist in Ko-Kreation entstanden. Die erste Idee und alle inhaltlichen Entscheidungen stammen von mir; die Ausarbeitung erfolgte im dialogischen Austausch mit KI. Sie diente dabei nicht als Ghostwriter, sondern als Sparringspartner: zum Strukturieren, Spiegeln, Hinterfragen und sprachlichen Schärfen. Der Text wurde mehrfach überarbeitet – zunächst im Entstehungsprozess, dann kapitelweise und ein Jahr später erneut kritisch gelesen und bewusst entschlackt. Die finale Fassung ist das Ergebnis dieses gemeinsamen, iterativen Prozesses zwischen menschlicher Intuition und maschineller Rückmeldung.
Maria und Josef – die (Weihnachts-) Geschichte einer Zumutung
Transparenzhinweis 🙂
Dieser Text und die jeweiligen Bilder sind im Dialog mit KI entstanden. Sie diente mir als Denk-, Resonanz- und Sparringsraum. Inhalt, Haltung, Auswahl und Veröffentlichung liegen vollständig bei mir.

